Das "Klassische Salonorchester"

Auch die Musikgeschichte unseres Jahrhunderts hat so ihre Geheimnisse und birgt immer noch ungehobene Schätze - davon weiß vor allem einer ein Lied zu singen, der gleich eine ganze Serie von Raritäten wiederentdeckte: Der Hamburger Pianist und Dirigent Cord Garben, seit Jahren einer der führenden Köpfe der Klassik-Szene.

Er fand in Archiven insgesamt knapp zweihundert Arrangements aus den 20er Jahren, von großen Orchesterwerken bis zu Klavierliedern. Angefertigt wurden diese Bearbeitungen für die "klassische" Salonorchester-Besetzung, für die bereits im Jahre 1921 keine Geringeren als Schönberg, Berg und Webern schrieben.

Die Bearbeitungen umfassen neben einzelnen Sinfoniesätzen von -Beethoven, Brahms, Bruckner und Mahler über Sinfonische Dichtungen und Opernphantasien von Richard Strauss bis zu den Opern Richard Wagners und Korngolds das gesamte Repertoire. Und das alles so genial arrangiert, daß das im Vergleich zum Orchester verhältnismäßig dünn besetzte Ensemble aus Solobläsern, Klavier, Harmonium, Schlagzeug und Streichern selbst gewaltige Steigerungen und Klangeffekte verblüffend echt wiedergeben kann.

Gesellschaftliche Zirkel von gebildeten Amateuren oder aber professionellen Musikern und Komponisten, wie etwa Schönbergs "Verein für Privataufführungen", waren die Orte, an denen neue Werke vorgestellt und diskutiert wurden, aber auch beliebte Werke berühmter Meister erklangen.
Handelt es sich eher um Material für Amateurmusiker? "Auf keinen Fall," erklärt der Entdecker, "dafür sind die Arrangements viel zu kompliziert und die Parts z. T. außerordentlich schwierig! Das ist wegen der nur einzeln besetzten Stimmen Kammermusik höchster Schwierigkeit". Die Bearbeiter freilich sind heute so gut wie unbekannt. "Sie waren hochprofessionelle Kapellmeister und Komponisten." (Siehe Discographie)


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