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Benedetti Michelangeli
Arturo Benedetti Michelangeli, "ABM", geboren 1920 in einem kleinen Ort bei Brescia
und 1995 in Lugano gestorben, ist einer der Künstler, den alle zu kennen glauben,
über den aber kaum jemand etwas weiß. Aus dem Privatleben ABMs ist fast nichts bekannt;
er selbst behauptete, es gäbe für ihn gar keines, entweder er übe, lerne oder
unterrichte.
Der Künstler Arturo Benedetti Michelangeli hingegen ist verstehbar. Man kann seine Kunst
bewundern wegen ihrer unerhörten geistigen Disziplin, der einmaligen technischen
Perfektion, des asketischen Formbewußtseins und der überwältigenden Skala an
Ausdrucksmitteln - wenn man denn die Gelegenheit hatte, ihn auch tatsächlich zu hören.
ABM war für seine Absagen berüchtigt.
Cord Garben hat das rätselhafte Genie, die Mimose mit einer Leidenschaft für schnelle
Autos und guten Rotwein, siebzehn Jahre lang begleitet. Was man über den Maestro wissen
kann, was es für einen Künstler bedeutet, die Last des eigenen künstlerischen Anspruchs
und der Erwartung des Publikums zu tragen, das kann man hier nachlesen - und hören: Die
CD enthält Proben und ausgewählte Sätze der Interpretation der Mozart - Konzerte KV 466
und 503. An zwei Klavieren ABM und Cord Garben, ein wahrer Fund! Niemand hat je auf
einem Tondokument den Meister proben gehört.
Cord Garben
Arturo Benedetti Michelangeli
"Gratwanderungen mit einem Genie"
Europäische Verlagsanstalt Ende April 2002
www.europaeische-verlagsanstalt.de
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"Zur Interpretation der Liedzyklen von Franz Schubert"
Verlag der Musikalienhandlung Karl Dieter Wagner
Eisenach
ISBN 3-88979-080-1
Eva Katharina Klein in Neue Musikzeitung NMZ 99-07/08:
Sein neu erschienenes Studienwerk "Zur Interpretation der Liedzyklen von Franz
Schubert" hat der renommierte
Liedbegleiter Cord Garben, der in letzten Jahren auch zunehmend als Dirigent in
Erscheinung tritt, dem großen Kurt Moll gewidmet - frei nach Zemlinsky: "dem
edlen Sänger und Kämpfer vom Kampfgenossen". Derart gefärbte leidvolle
co-sängerische Erfahrungen, die Garben in bester Begleitertradition ("Bin ich zu
laut?") am Rande mit einbringt, künden hier zuweilen subtil vom harten Los des
schwer arbeitenden Mannes im Hintergrund - so zum Beispiel die Erkenntnis: "Sänger
lieben es, bestimmte Textaussagen ohne Rücksicht auf die Zusammenhänge der
musikalischen Struktur durchzusetzen: Bellt der Hund, dann kann das nur laut geschehen!"
Trotzdem will der Verfasser weder Sängerkrieg noch Begleiterrevolte anzetteln:
Schuberts "Schöne Müllerin", "Winterreise" und "Schwanengesang" werden
primär aus separat pianistischem Blickwinkel von der interpretatorisch-technischen
Seite aus betrachtet. Garben, dessen Erfahrungen als Pädagoge sowie als Produzent
und jahrelanger Betreuer Fischer-Dieskaus bei der Deutschen Grammophon hier gleichfalls
mit eingeflossen sind, gibt Hinweise zu Taktverständnis und grundlegenden
Tempofragen, bespricht detailliert Alternativen in puncto Akzentuierung (Schwerpunkte,
Schaltstellen, sinnfälliges Hervorheben von Gegenstimmen) und unterbreitet
agogische Gesamtentwürfe - auch liedübergreifender Art. Desweiteren finden
sich manchmal etwas exzentrisch anmutende, aber durchaus brauchbare Fingersätze;
eine spieltechnische Ergänzung bieten die im Komplex "Winterreise" eingefügten
Übungen, die vom musikalischen Material der Lieder ausgehen, zuweilen
Liszt-Transkriptionen entnommen sind und als Hilfsmittel dienen sollen, um die
musikalische Substanz zu rekapitulieren, Problemstellen zu bewältigen und
Anschlagskultur oder den Umgang mit dem Material in anderen Tonarten zu befördern.
Gelegentlich unternimmt Garben sinnfällige Korrekturen am Notentext (Akzent oder
diminuendo?) und zieht im Kapitel "Schwanengesang" mehrmals das Autograph heran, um auf
einige in Standardausgaben immer wieder auftretende Fehler hinzuweisen.
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